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Nahrungsergänzung oder Anti-Falten-Creme | Was sagt die Forschung?

Einleitung

In der Welt der Kosmetik und Nahrungsergänzung sorgt kaum eine Frage für so viel Verwirrung wie diese: „Was ist für eine schöne Haut besser: eine Anti-Falten-Creme oder ein Nahrungsergänzungsmittel?

Das Problem besteht darin, dass beide Ansätze meist oberflächlich miteinander verglichen werden, als wären sie gleichwertige Lösungen.

Das sind sie jedoch nicht.

  • Cremes wirken lokal an der Hautoberfläche und eignen sich daher besser für örtlich begrenzte Hautprobleme wie Pigmentflecken, Augenringe oder Keratosen.
  • Nahrungsergänzungsmittel wirken systemisch. Sie beeinflussen biologische Prozesse von innen und entfalten eine globale Wirkung auf die Haut, beispielsweise auf Feuchtigkeit, Elastizität, Falten und vergrößerte Poren.

Dieser Unterschied ist entscheidend: Es geht nicht nur darum, „was besser wirkt“, sondern darum, welcher Ansatz für das jeweilige Hautproblem am besten geeignet ist.

Die entscheidende Frage: Welcher Ansatz ist „wissenschaftlicher“?

Bei einer streng wissenschaftlichen Betrachtung wird ein wesentlicher Unterschied deutlich:

Nahrungsergänzungsmittel lassen sich wesentlich leichter untersuchen, vergleichen und beurteilen als Cremes.

Nahrungsergänzungsmittel: klare und vergleichbare Dosierungen

Bei Nahrungsergänzungsmitteln:

  • werden die Wirkstoffe angegeben;
  • sind die Dosierungen genau festgelegt;
  • lässt sich ein Produkt anhand klinischer Studien direkt mit anderen Präparaten vergleichen.

Dadurch kann ein entscheidender Punkt überprüft werden: Enthält das Produkt tatsächlich die in den Studien verwendeten Mengen?

Um diesen Vergleich zu vereinfachen, haben wir einen Vergleich der besten erhältlichen Anti-Falten-Nahrungsergänzungsmittel erstellt.

Cremes: das Problem der INCI-Liste

Bei Cremes und Kosmetika im Allgemeinen stellt sich die Situation grundlegend anders dar.

Nach der europäischen Kosmetikverordnung gilt:

  • Die Inhaltsstoffe werden nur bis zu einer Konzentration von 1 % in absteigender Reihenfolge angegeben.
  • Unterhalb von 1 % ist die Reihenfolge frei wählbar.
  • Der Kunde kann die genaue Menge der einzelnen Inhaltsstoffe in keinem Fall erkennen. Das bedeutet, dass sich die tatsächlich enthaltene Wirkstoffmenge nicht bestimmen lässt 1.

Auch die bloße Anwesenheit eines Wirkstoffs in einer kosmetischen Formel garantiert nicht:

  • seine chemische Stabilität;
  • seine Bioverfügbarkeit;
  • seine Hautpenetration.

Eine Creme kann einen wissenschaftlich interessanten Inhaltsstoff in einer unwirksamen Form oder Konzentration enthalten. Der Wirkstoff kann sich außerdem mit der Zeit abbauen oder nicht ausreichend in die Haut eindringen.

Die Hautbarriere

Die Haut ist dafür geschaffen, Substanzen fernzuhalten, nicht sie eindringen zu lassen.

Viele vermeintliche „Wunderwirkstoffe“ in Cremes scheitern an ihrem Molekulargewicht, weil ihre Moleküle schlicht zu groß für eine Penetration sind.

Dermatologische Untersuchungen zeigen, dass Moleküle mit mehr als 500 Dalton die intakte Hornschicht im Allgemeinen nicht oder nur schwer überwinden können.

  • Warum topisches Kollagen scheitert: Natives Kollagen mit etwa 300 kDa ist ungefähr 600-mal zu groß, um einzudringen. In einer Creme wirkt es lediglich als teurer oberflächlicher Feuchtigkeitsspender.
  • Der systemische Weg: Nahrungsergänzungsmittel enthalten hydrolysiertes Kollagen mit einem durchschnittlichen Molekulargewicht von 2 bis 5 kDa. Es enthält eine gewisse Menge kleiner bioaktiver Peptide aus 2 bis 3 Aminosäuren. Nach der Aufnahme im Darm über PepT1-Transporter umgehen diese Peptide die Hautbarriere, gelangen über den Blutkreislauf in die Dermis und stimulieren die Fibroblasten von innen.

Stabilität und Abbau der Wirkstoffe

Viele kosmetische Wirkstoffe sind chemisch instabil.

Ein klassisches Beispiel ist Vitamin C 2:

  • Es oxidiert leicht.
  • Seine Wirksamkeit nimmt mit der Zeit ab.
  • Während der Lagerung kann es sich zersetzen.

In manchen Formulierungen dienen Vitamine zudem als systemeigene Antioxidantien: Sie schützen andere Bestandteile der Formel, statt auf der Haut zu wirken.

  • Abbau in Cremes: Viele Vitamine, darunter C und E, sowie Polyphenole wirken in Cremes als „Opferstoffe“. Sie oxidieren im Behälter, um die Formulierung zu schützen, und können bereits inaktiv auf die Haut gelangen.
  • Cremes enthalten außerdem Konservierungsstoffe wie Parabene oder Phenoxyethanol, Duftstoffe und Tenside. Diese können chronische Mikroentzündungen, das sogenannte Inflamm-Aging, begünstigen und die Hautalterung dadurch eher beschleunigen als bremsen.
  • Stabilität von Nahrungsergänzungsmitteln: Pulver, insbesondere in Aluminium-Kunststoff-Verbundbeuteln, und Tabletten in Blisterpackungen bewahren die molekulare Integrität bis zur Einnahme. Flüssige Formen wie trinkfertige Fläschchen können dagegen ähnliche Stabilitätsprobleme aufweisen wie Kosmetika.

Ergebnis: Bei Kosmetika kann die tatsächliche Wirksamkeit erheblich von der theoretischen Wirkung abweichen. Ergebnisse wissenschaftlicher Studien lassen sich nur schwer auf ein anderes Produkt übertragen, selbst wenn es die gleiche Wirkstoffmenge enthält, weil die Gesamtformulierung und die Zeit seit der Herstellung die Wirkung mitbestimmen.

Was sagt die Wissenschaft zu Anti-Aging-Präparaten?

Orales Kollagen: der am besten untersuchte Wirkstoff

Kollagenpräparate gehören zu den am intensivsten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 mit 26 randomisierten Studien und 1.721 Teilnehmenden zeigte deutliche Verbesserungen mehrerer Parameter 2:

  • Hautfeuchtigkeit;
  • Elastizität;
  • Falten.

Bereits eine Übersichtsarbeit von 2019 hatte diese Ergebnisse als vielversprechend bewertet 3.

Anfang 2026 erschien eine Auswertung von 113 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt fast 8.000 Teilnehmenden 3a.

  • Die Analyse bestätigt, dass Kollagensupplementierung in mehreren Gesundheitsbereichen ein breites Wirkungsspektrum besitzt. Dazu zählen eine starke Verbesserung der Hautfeuchtigkeit und eine moderate bis große Verbesserung der Hautelastizität.
  • Bei Falten lagen die durchschnittlichen Effekte im moderaten bis großen Bereich. Da die Studienergebnisse jedoch nicht vollständig übereinstimmten, ließ sich der Nutzen statistisch nicht mit völliger Sicherheit bestätigen. Die Gesamtdaten sprechen also für einen positiven Effekt, sind aber weniger robust als die Daten zur Feuchtigkeit und Elastizität.

Wirkmechanismus

Im Gegensatz zu Cremes:

  • müssen Nahrungsergänzungsmittel die Hautbarriere nicht überwinden;
  • wirken sie über den systemischen Kreislauf.

Kollagenpeptide wie Gly-Pro-Hyp wurden nach der Einnahme im Blut nachgewiesen und scheinen mehrere Prozesse anzuregen 3, 4:

Dadurch ist ein „Inside-out“-Ansatz biologisch plausibel.

Was sagt die Wissenschaft zu Anti-Falten-Cremes?

Die Aussage, Cremes würden nicht wirken, wäre falsch. Entscheidend ist vielmehr, dass ihre Wirkung sehr unterschiedlich ausfällt.

Retinoide: der topische Goldstandard

Retinol gilt als Goldstandard für die Zellerneuerung. Oral eingenommenes Vitamin A kann in hohen Dosen toxisch sein, während eine topische Anwendung direkt auf die nukleären Rezeptoren der Hautzellen wirkt, ohne systemische Effekte zu verursachen.

Retinoide, also Retinolderivate, sind die Gruppe von Anti-Aging-Cosmeceuticals mit der besten wissenschaftlichen Evidenz. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 bestätigte, dass Tretinoin 5:

  • Falten reduziert;
  • die lichtbedingte Hautalterung verbessert.

Allerdings gilt 6:

  • Es handelt sich um ein Arzneimittel, nicht um ein Kosmetikum.
  • Frei verkäufliche Retinoide wie Retinol und seine Salze besitzen in der Regel eine schwächere Evidenz.

Vitamin C: wirksam, aber instabil

Topisch angewendete stabilisierte Seren mit 10 bis 20 % Ascorbinsäure können den Vitamin-C-Gehalt der Haut gegenüber der oralen Aufnahme um das 20- bis 40-Fache erhöhen und dadurch die Kollagensynthese und den Lichtschutz unterstützen 6a.

Topisches Vitamin C ist bei mehreren Hautproblemen wirksam 7, 8:

  • lichtbedingte Hautalterung;
  • Pigmentierung;
  • Schutz vor oxidativen Schäden.

Allerdings:

  • ist es instabil;
  • hängt seine Wirkung stark von der Formulierung ab;

sind daher nicht alle Vitamin-C-Cremes gleichwertig.

Niacinamid: solide Hinweise

Für Niacinamid wurden Wirkungen auf mehrere Parameter gezeigt 9:

  • Falten;
  • Pigmentflecken;
  • Elastizität.

Hyaluronsäure: Feuchtigkeit oder körpereigene Synthese?

Hochmolekulare Hyaluronsäure bildet auf der Haut einen okklusiven Film und spendet von außen Feuchtigkeit. Sehr niedermolekulare Hyaluronsäure (LMW-HA) dringt tiefer ein, kann bei einer unausgewogenen Formulierung aber entzündungsfördernd wirken.

Oral eingenommene Hyaluronsäure in einer Dosis von 120 bis 200 mg täglich erhöht die Hautfeuchtigkeit und verringert tiefe Falten. Oligosaccharide, die bei ihrem Abbau im Darm entstehen, regen die körpereigene Bildung neuer Hyaluronsäure an 9a.

Coenzym Q10 und Alpha-Liponsäure

  • CoQ10: In Cremes ist es sehr instabil und oxidiert leicht unter Lichteinfluss. Eine systemische Einnahme schützt die mitochondrialen Membranen im gesamten Körper und nicht nur in der behandelten Hautregion.
  • Liponsäure: Sie wird als besonders wichtiger Anti-Aging-Wirkstoff in Nahrungsergänzungsmitteln dargestellt, da sie der Glykierung beziehungsweise der Bildung von AGEs (Advanced Glycation End-products) entgegenwirkt. Durch diesen Prozess machen Blutzucker und Zuckerabbauprodukte Kollagen steif und brüchig. Keine Creme kann die systemische Glykierung beeinflussen 9b.

Das grundsätzliche Problem von Cremes

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 kam zu folgendem Ergebnis 10:

  • Nur wenige Wirkstoffe verfügen über eine starke Evidenz.
  • Für viele Inhaltsstoffe sind die Belege begrenzt.

Die wissenschaftliche Bewertung von Cremes ist daher wesentlich weniger übersichtlich als die von Nahrungsergänzungsmitteln.

Außerdem beruhen sichtbare Verbesserungen häufig nicht auf tiefgreifenden strukturellen Veränderungen. Cremes können das Hautbild durch verschiedene Mechanismen verbessern 11, 12:

  • okklusiver Effekt;
  • Verringerung des Wasserverlusts;
  • rückfettende und glättende Wirkung.

Das erklärt, warum manche Cremes scheinbar „wirken“, obwohl sie keine echten Anti-Aging-Wirkstoffe enthalten.

Fazit

Eine absolute Antwort gibt es nicht.

Eine sachgerechte Antwort lässt sich jedoch formulieren:

  • Für eine systemische Anti-Aging-Wirkung auf Falten, Elastizität und Feuchtigkeit
    → Nahrungsergänzungsmittel besitzen eine solidere und besser messbare Grundlage
  • Bei lokalen Problemen wie Pigmentflecken, unregelmäßiger Hautstruktur und Lichtschäden
    → Cremes bleiben wirksamer

Der eigentliche Unterschied besteht nicht darin, was stärker wirkt, sondern:

wie gut sich die Wirkung nachweisen, messen und vergleichen lässt.

Genau hier besitzen Nahrungsergänzungsmittel einen erheblichen wissenschaftlichen Vorteil.

Wann Nahrungsergänzungsmittel überlegen sind

Nahrungsergänzungsmittel eignen sich besonders für:

  • eine allgemeine Verbesserung des Hautbilds;
  • systemische Unterstützung der Hautfeuchtigkeit;
  • Elastizität;
  • präventive Ansätze;

und vor allem aus einem entscheidenden Grund:

Sie lassen sich standardisieren, vergleichen und messen.

Wann Cremes überlegen sind

Trotz des wissenschaftlichen Vorteils von Nahrungsergänzungsmitteln für tiefere Hautstrukturen sind Cremes in mehreren Bereichen besser geeignet:

  • Pigmentflecken und Hyperpigmentierung: Tyrosinasehemmer wie Azelainsäure, Kojisäure und hydrochinonähnliche Wirkstoffe müssen gezielt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.
  • Exfoliation (AHA/BHA): Das Entfernen abgestorbener Hautzellen und die Verbesserung der Hautstruktur sind rein topische Prozesse.
  • Reparatur der Hautbarriere (Ceramide): Bei rissiger oder trockener Haut ist die äußere Zufuhr von Lipiden wie Ceramiden, Cholesterin und Fettsäuren die einzige Möglichkeit, die Barrierefunktion sofort wiederherzustellen und den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) zu bremsen. Ceramide zeigten diese Vorteile allerdings auch bei oraler Einnahme.

Ein IN-&-OUT-Ansatz

Die derzeitige Evidenz zeigt, dass Nahrungsergänzungsmittel bei Dichte und Struktur der Dermis einen deutlichen Vorteil besitzen.

Durch standardisierte, stabile und bioverfügbare Dosierungen von Kollagenpeptiden, Hyaluronsäure und metabolischen Antioxidantien bieten sie den besser kontrollierbaren Ansatz.

Eine ernsthafte Strategie kann jedoch bei der Pflege der Epidermis nicht auf funktionelle Cosmeceuticals verzichten. Ein wirksames Protokoll kann beispielsweise umfassen:

  1. Systemisch: täglich 2,5 bis 5 Gramm hydrolysiertes Kollagen, 120 mg Hyaluronsäure und 100 mg Liponsäure.
  2. Topisch: Sonnenschutz (SPF), morgens Vitamin C und abends Retinol.

Kurz gesagt: Nahrungsergänzungsmittel bauen das Haus, also die Struktur; Cremes streichen die Wände und reparieren das Dach, also Aussehen und Schutz.

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