INHALTSVERZEICHNIS
Was ist Hyaluronsäure?
Hyaluronsäure ist ein hochmolekulares Polysaccharid.
Chemisch gesehen handelt es sich um ein Glykosaminoglykan. Hyaluronsäure besteht aus sich wiederholenden Einheiten von D-Glucuronsäure und N-Acetylglucosamin, die eine lineare Polysaccharidkette bilden.
Hyaluronsäure kommt in der extrazellulären Matrix des Bindegewebes vor, unter anderem in der Haut, in der Gelenkflüssigkeit, in Blutgefäßen, im Serum, im Gehirn, im Knorpel, in den Herzklappen und in der Nabelschnur.
Der Körper eines 70 kg schweren Erwachsenen enthält etwa 15 Gramm Hyaluronsäure, von denen täglich 5 Gramm erneuert werden 1.
Hyaluronsäure ist ein stark hygroskopisches Molekül. Sie kann bis zum 6.000-Fachen ihres Volumens an Wasser binden, verbessert dadurch die Gewebehydration und verleiht dem Gewebe Volumen und strukturellen Halt.
In den Gelenken wirkt Hyaluronsäure als Gleitmittel, Stoßdämpfer und Stabilisator der Gelenkstruktur. Außerdem reguliert sie den Wasserhaushalt und den Strömungswiderstand.
Hyaluronsäure in der Haut
Mehr als 50 % der gesamten Hyaluronsäure des Körpers befinden sich in der Haut.
Da die Dermis wesentlich dicker als die Epidermis ist, enthält sie absolut betrachtet 4- bis 9-mal mehr Hyaluronsäure. Relativ gesehen konnte jedoch gezeigt werden, dass die Epidermis 4-mal mehr Hyaluronsäure synthetisiert als die Dermis 2.
Die Menge der synthetisierten Hyaluronsäure ist daher in den oberflächlichen Hautschichten größer als in den tieferen Schichten.
Funktionen – Wozu dient sie?
In der Haut spielt Hyaluronsäure eine entscheidende Rolle bei 3:
- der Aufrechterhaltung des Volumens der extrazellulären Räume;
- der Erhaltung der Gewebehydration;
- dem Transport ionischer gelöster Stoffe und von Nährstoffen zu den Zellen der obersten Hautschicht;
- dem Schutz der Fibroblasten vor durch freie Radikale verursachten Zellschäden durch eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung.
In Bezug auf den letzten Punkt kann Hyaluronsäure einerseits als Radikalfänger schützend wirken, andererseits aber auch selbst Ziel von oxidativem Stress sein.
Da freie Radikale Hyaluronsäure schädigen und dabei stark angiogene und entzündungsfördernde Fragmente entstehen können, lässt sie sich sinnvoll mit Antioxidantien kombinieren, um ihren Abbau zu verhindern und ihre Wirkung zu verbessern 4.
Neuere Studien deuten darauf hin, dass Hyaluronsäure über den CD44-Rezeptor auch die Zelldifferenzierung steigern und die Zellmotilität fördern kann 5.
Hyaluronsäure und Hautalterung
Unter dem Einfluss verschiedener Faktoren wie chronologischer Alterung, UV-Licht oder Dehydration nimmt der Hyaluronsäuregehalt der Haut ab. Gleichzeitig sinkt der Wassergehalt der Hornschicht, wodurch die Bildung von Falten und die Hautalterung begünstigt werden 6, 7.
Eine der auffälligsten histochemischen Veränderungen der alternden Haut ist die deutliche Abnahme der epidermalen Hyaluronsäure.
Mit zunehmendem Alter sinkt dieser Anteil von 0,03 % bei Frauen im Alter von 19 bis 47 Jahren auf 0,007 % bei 70-jährigen Frauen 8.
In seniler Haut ist Hyaluronsäure weiterhin in der Dermis vorhanden, während sie in der Epidermis vollständig verschwunden ist. Darüber hinaus sind die Hyaluronsäurepolymere in gealterter Haut zunehmend stärker an das Gewebe gebunden 9, 10.
An das Gewebe gebundene Hyaluronsäure kann Wasser schlechter aufnehmen, wodurch die Hautfeuchtigkeit abnimmt.
Die altersabhängig zunehmende Bindung von Hyaluronsäure an das Gewebe verläuft parallel zur fortschreitenden Vernetzung des Kollagens.
Jeder dieser Vorgänge trägt zur sichtbaren Austrocknung, Atrophie und zum Elastizitätsverlust der alternden Haut bei.
Vorteile
Nahrungsergänzungsmittel
Die orale Einnahme von Hyaluronsäure – in einer Dosis von 120 bis 240 mg täglich über mindestens einen Monat – hat mehrere positive Wirkungen auf das Hautbild gezeigt, darunter eine feuchtigkeitsspendende und faltenmindernde Wirkung sowie eine Verbesserung der Hautelastizität 11.
In einer Studie mit 39 japanischen Frauen im Alter von 37 bis 59 Jahren, die unter trockener Haut, Hauterschlaffung und Falten um die Augen litten, erhöhte die Einnahme von 120 mg Hyaluronsäure pro Tag über 6 Wochen die Hautfeuchtigkeit 12.
In einer weiteren Studie führte die orale Einnahme von 120 mg Hyaluronsäure pro Tag über 12 Wochen bei 50 japanischen Männern und Frauen im Alter von 22 bis 59 Jahren mit Falten um die Augen bereits nach 8 Wochen zu einer signifikanten Verringerung des Faltenvolumens gegenüber Placebo 13.
Bei einem ähnlichen Studiendesign mit 40 gesunden asiatischen Männern und Frauen im Alter von 35 bis 64 Jahren verbesserte die Einnahme von Hyaluronsäure die Hautfeuchtigkeit, Hautrauigkeit und Hautelastizität 14.
Eine Übersichtsarbeit berichtete, dass in mehreren Studien die orale Einnahme von 37,5 bis 240 mg Hyaluronsäure täglich über 4 bis 6 Wochen zu einer signifikanten Verbesserung der Hautfeuchtigkeit führte 11.
Weitere Studien erzielten ähnliche Ergebnisse mit komplexeren Formulierungen, die neben Hyaluronsäure beispielsweise auch Vitamine, Mineralstoffe, Antioxidantien und Kollagen enthielten 4, 15, 16.
Cremes und Seren
Auf die Haut aufgetragen können Cremes und Hyaluronsäure-Seren dazu beitragen, Falten, Rötungen und Dermatitis zu lindern 17, 18, 19.
Dabei handelt es sich jedoch überwiegend um einen oberflächlichen Effekt, der auf der filmbildenden Wirkung der Hyaluronsäure beruht.
Als hochmolekulares Polymer kann Hyaluronsäure die obersten Hautschichten nicht durchdringen. Ihre feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften beschränken sich daher auf eine okklusive Wirkung.
Niedermolekulare Hyaluronsäure könnte grundsätzlich in die Haut eindringen. Die geringen Konzentrationen in Kosmetika* und der rasche enzymatische Abbau begrenzen mögliche Vorteile jedoch deutlich 20.
* In kosmetischen Formulierungen wird Hyaluronsäure in Konzentrationen von 0,2 bis 1 % eingesetzt 2.
Im Gegensatz zur oralen Einnahme kann die topische Anwendung von Hyaluronsäure die Hyaluronsäurekonzentration in der Haut NICHT erhöhen, auch wenn sie über indirekte Wirkmechanismen eine feuchtigkeitsspendende Wirkung entfalten kann.


