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Rote Dehnungsstreifen | Ursachen, Symptome und Behandlung

Was sind rote Dehnungsstreifen?

Dehnungsstreifen, auch Striae distensae genannt, sind schmale Linien aus Narbengewebe, die sich auf der Haut abzeichnen können. Besonders häufig treten sie am Bauch, Gesäß, an den Oberschenkeln, am Rücken, an den Brüsten, in den Achselhöhlen und in der Leistenregion auf.

Je nach Ursache und Erscheinungsbild werden verschiedene Formen unterschieden:

  • striae atrophicae (ausgedünnte Haut);
  • striae gravidarum (Schwangerschaftsstreifen);
  • striae distensae (durch Dehnung entstandene Streifen);
  • striae rubrae (rote Dehnungsstreifen);
  • striae albae (weiße Dehnungsstreifen);
  • striae nigrae (schwarze Dehnungsstreifen);
  • striae caeruleae (dunkelblaue Dehnungsstreifen).

Die schlechte Nachricht: Dehnungsstreifen lassen sich nur schwer wirksam behandeln 1, 2. Die gute Nachricht: Rote Dehnungsstreifen lassen sich eher abschwächen als weiße.

Zu Beginn sind Dehnungsstreifen meist rot – oder violett, rosafarben und seltener dunkel – und werden im Lauf der Zeit zunehmend weiß.

Die rote Farbe entsteht durch kleine Blutgefäße unter der Haut. Aufgrund dieser Gefäßversorgung sprechen rote Dehnungsstreifen besser auf Behandlungen an.

Frische, rötliche Dehnungsstreifen (striae rubrae) sind leichter zu behandeln als ältere Veränderungen (striae albae).

Dehnungsstreifen sind insgesamt äußerst häufig.

Eine 2013 im Journal of Investigative Dermatology veröffentlichte Studie schätzte, dass 50 bis 80 % der Menschen Dehnungsstreifen am Körper aufweisen 3.

Weiße Dehnungsstreifen (striae albae) sind älter und schwieriger zu behandeln. Mit der Zeit ziehen sich die darunterliegenden Blutgefäße zusammen, wodurch sich die Bildung von Kollagen und elastischen Fasern schwerer anregen lässt.

Ursachen

Dehnungsstreifen sind im Wesentlichen Hautnarben, die durch eine übermäßige Dehnung der Haut entstehen.

Die Dehnung führt zum Reißen elastischer Fasern in der Dermis. Anschließend setzt eine Entzündungsreaktion ein, die eine Neuordnung der Elastinfasern und des Fibrillins bewirkt. Dieser Vorgang wird als Elastose bezeichnet und führt zur Bildung kurzer, ungeordneter, dünner und fadenförmiger Fibrillen.

Zu den häufigen Ursachen von Dehnungsstreifen gehören:

  • eine schnelle Gewichtszu- oder -abnahme;
  • eine Schwangerschaft;
  • rasches Wachstum, etwa während eines Wachstumsschubs in der Pubertät;
  • eine schnelle Zunahme der Muskelmasse, beispielsweise durch Krafttraining.

Dehnungsstreifen werden außerdem mit einer längerfristigen Anwendung topischer oder systemischer Kortikosteroide sowie mit einer erhöhten körpereigenen Produktion dieser Hormone beim Cushing-Syndrom und beim Marfan-Syndrom in Verbindung gebracht.

Weitere mit Dehnungsstreifen assoziierte Erkrankungen sind Anorexia nervosa, verschiedene fieberhafte Erkrankungen und chronische Lebererkrankungen 4, 5.

Auch andere Medikamente wurden mit ihrem Auftreten in Verbindung gebracht, darunter Chemotherapeutika, länger dauernde Antibiotikatherapien, Verhütungsmittel und Neuroleptika 6.

Bei Schwangeren wurden mehrere unabhängige Risikofaktoren ermittelt: junges Alter, Dehnungsstreifen bei der Mutter oder in der Familie, Gewichtszunahme vor und während der Schwangerschaft sowie das Fehlen chronischer Erkrankungen 1, 7, 8.

Striae distensae treten typischerweise während der Schwangerschaft (43–88 %), in der Pubertät (6–86 %) und bei Adipositas (43 %) auf 9.

Dehnungsstreifen kommen bei Frauen häufiger vor als bei Männern und können in bestimmten ethnischen Gruppen verbreiteter sein. Auf dunkler Haut sind sie häufig auch deutlicher sichtbar.

Eine familiäre Veranlagung gilt als Risikofaktor. Eine Studie deutete außerdem darauf hin, dass Dehnungsstreifen bei Rauchern häufiger auftreten könnten als bei Nichtrauchern 9.

Symptome

Dehnungsstreifen erscheinen zunächst als rosafarbene oder violette, leicht erhabene lineare Veränderungen (striae rubrae). Im Verlauf von Monaten oder Jahren verblassen sie und entwickeln sich zu hypopigmentierten, atrophischen und faltig wirkenden Narben (striae albae).

In der Schwangerschaft treten sie vor allem am Bauch, an den Brüsten und Oberschenkeln auf. Bei Jugendlichen finden sie sich häufig an den Oberschenkeln und am Gesäß, bei Mädchen zudem an den Brüsten und bei Jungen am Rücken.

Rote Dehnungsstreifen können gelegentlich jucken, sind im Allgemeinen jedoch symptomlos.

Bei Schwangeren können juckende Dehnungsstreifen ein Hinweis auf Herpes gestationis sein 10.

Obwohl Dehnungsstreifen nur selten medizinische Probleme verursachen, stellen sie für viele Betroffene eine erhebliche ästhetische Belastung dar und können Selbstwertgefühl und Lebensqualität beeinträchtigen 11, 12.

Wirksame Behandlungen

Im Allgemeinen sprechen frische Dehnungsstreifen, also striae rubrae, besser auf eine Behandlung an als ältere Veränderungen (striae albae).

Die Behandlungen sollen Rötung, Schwellung und Reizung mindern, die Bildung von Kollagen und elastischen Fasern steigern, die Hautfeuchtigkeit verbessern und Entzündungen reduzieren 13.

Bislang gibt es kein standardisiertes Behandlungsschema für rote Dehnungsstreifen 14. Zu den angewandten Verfahren zählen topische Retinoide, chemische Peelings, Mikrodermabrasion, Radiofrequenz, Photothermolyse, intensiv gepulstes Licht und Laser. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus 13.

Spontane Besserung

Bei Jugendlichen werden Dehnungsstreifen, die während des pubertären Wachstumsschubs entstehen, im Lauf der Zeit häufig weniger sichtbar und haben im Vergleich zu anderen Formen eine sehr gute Prognose.

Auch Schwangerschaftsstreifen bessern sich nach der Entbindung meist bis zu einem gewissen Grad 15.

Durch Kortikosteroide ausgelöste Dehnungsstreifen können ebenfalls verschwinden oder kaum noch sichtbar sein, nachdem das auslösende Steroid abgesetzt wurde 16.

Kosmetika

Die meisten äußerlich angewandten Produkte sollen das Erscheinungsbild verbessern, indem sie die Kollagenbildung anregen und so die Hautelastizität erhöhen.

Ihre tatsächliche Wirksamkeit ist jedoch umstritten. Die Feuchtigkeitsversorgung scheint der wichtigste Effekt dieser Präparate zu sein, während der zusätzliche Nutzen weiterer Inhaltsstoffe unklar bleibt 17.

Verschiedene topische Wirkstoffe wurden vorgeschlagen; einige sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst 16.

Topischer WirkstoffWirkmechanismus
Tretinoin oder Retinsäure (Arzneimittel)Erhöht durch Stimulation der Fibroblasten die Menge an Kollagen Typ I im Gewebe
HyaluronsäureErhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber mechanischer Zugbelastung
Trofolastin (Centella asiatica)Stimuliert die Fibroblasten und wirkt den Effekten der Glukokortikoide entgegen
SilikoneFeuchtigkeitsversorgung der Haut
Chemische Peelings: Glykolsäure, Trichloressigsäure (TCA)Vermehrung der Fibroblasten und Stimulation der Kollagenproduktion
AscorbinsäureSteigerung der Kollagenproduktion
KakaobutterFeuchtigkeitsversorgung
Pflanzenöle: Oliven-, Mandel- und KokosölMassagewirkung und Hautfeuchtigkeit
Pirfenidon (Arzneimittel)Immunmodulatorische und entzündungshemmende Wirkung; fördert die Kollagenaseaktivität und die Aktivität der Fibroblasten

Silikongele werden bei atrophischen Narben empfohlen und können bei striae distensae eingesetzt werden. Die veröffentlichten Ergebnisse sind weiterhin schwer zu interpretieren 18.

Eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie bei Schwangeren deutet darauf hin, dass rückfettende Mittel und Feuchtigkeitscremes mit Hydroxyprolisilan C, Hagebuttenöl, Triterpenen aus Centella asiatica und Vitamin E den Schweregrad verringern können 19.

Einer Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2013 zufolge könnte Centella asiatica das Auftreten von Dehnungsstreifen verringern. Ihre Terpenoide sollen die Kollagenbildung anregen und dadurch neuen Veränderungen vorbeugen sowie bestehende reparieren helfen 20.

Eine Übersichtsarbeit von 2016 über 11 klinische Studien kam zu dem Ergebnis, dass Alfastria- und Trofolastin-Cremes positive Ergebnisse zeigten. Ob sie in frühen oder späten Stadien besser wirken, bleibt jedoch unklar 21.

  • Alfastria kombiniert Fettsäuren und Vitamine mit Hyaluronsäure, die die Kollagenproduktion anregen soll.
  • Trofolastin enthält einen Extrakt aus Centella asiatica, einer Heilpflanze, die die Kollagenproduktion steigern könnte.

Retinoide

Tretinoin verbessert nachweislich das klinische Erscheinungsbild in der aktiven Phase (striae rubrae), zeigt aber im reifen Stadium (striae albae) nur geringe Wirkung 22, 23.

Dieser Nutzen wurde in mindestens vier klinischen Studien beobachtet 22, 24, 23, 25. Eine davon umfasste 22 Personen mit roten Dehnungsstreifen, die 6 Monate lang täglich mit 0,1%igem topischem Tretinoin behandelt wurden 24. Länge und Breite der Veränderungen nahmen ab.

Als Nebenwirkungen wurden unter anderem Erythem und Schuppung in den ersten 2 Monaten beschrieben. Tretinoin kann Reizungen, Rötungen und Schuppung verursachen. Besonders wichtig: Es darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden 21, 26.

Um das Eindringen des topischen Retinoids zu verbessern, wurde ablative Radiofrequenz mit Ultraschall kombiniert. In einer Pilotstudie verbesserte diese Kombination striae albae 27.

Peeling

Zur Behandlung von Dehnungsstreifen können unterschiedliche chemische Peelings eingesetzt werden. Am häufigsten werden Trichloressigsäure, Retinsäure und Glykolsäure (GCA) verwendet 28, 29.

Man geht davon aus, dass diese chemischen Wirkstoffe eine Entzündungsreaktion mit anschließender Neubildung von Kollagen auslösen.

Einige Autoren erzielten mit niedrigen Konzentrationen von Trichloressigsäure (15–20 %) und wiederholten chemischen Exfoliationen bis zur papillären Dermis in monatlichen Abständen gute Ergebnisse, darunter Verbesserungen von Struktur und Farbe 30.

Postinflammatorische Pigmentveränderungen und leichte Reizungen sind die häufigsten unerwünschten Wirkungen.

Laser

Behandlungen mit verschiedenen Lasertypen können das Erscheinungsbild von Dehnungsstreifen verbessern 31.

Frische, rote Veränderungen sind stärker durchblutet. Daher können Gefäßlaser hilfreich sein: Hämoglobin wirkt als Chromophor, absorbiert das Licht, erzeugt Wärme und mindert Rötung und Schwellung 32.

Fraktionierte Laser wie der Nd:YAG-Laser regen Fibroblasten zur Bildung von Kollagen und Elastin an und können die Repigmentierung älterer weißer Dehnungsstreifen fördern. Dadurch können Hautatrophie und Erscheinungsbild reifer Veränderungen verbessert werden 33, 34, 35.

Bei dunklen Hauttypen sollten Laserbehandlungen wegen des erhöhten Risikos unerwünschter Wirkungen – insbesondere vorübergehender postinflammatorischer Hyperpigmentierung und anhaltender Hypopigmentierung – sehr vorsichtig eingesetzt oder je nach Situation vermieden werden.

Radiofrequenz

Radiofrequenzgeräte geben hochfrequenten Wechselstrom ab, der in der Haut Wärme erzeugt. Sie werden zur Straffung der Dermis, zur Minderung von Falten und zur Verbesserung von Cellulite eingesetzt.

Die Behandlung fördert die Bildung von Kollagen, Elastin und Proteoglykanen und könnte daher theoretisch auch das Erscheinungsbild von Dehnungsstreifen verbessern.

Mindestens eine Studie berichtete, dass die Radiofrequenz gut vertragen wurde und die Patienten mit den Ergebnissen zufrieden waren. Eine neuere Entwicklung besteht darin, die Energie mithilfe mehrerer Nadeln in einer Tiefe von 3,5 mm abzugeben. Die vorläufigen Beobachtungen sind ermutigend, belastbare Studien sind jedoch weiterhin erforderlich 36.

Galvanopunktur

Bei dieser Technik wird über Nadeln ein kontinuierlicher schwacher Mikrostrom in das Gewebe geleitet. Bitencourt et al. untersuchten das Verfahren bei 32 Personen und beobachteten nach 10 Sitzungen eine deutliche klinische Besserung 37.

Eine weitere Studie verglich Galvanopunktur mit Dermabrasion. Beide Behandlungen verbesserten die Dehnungsstreifen; zwischen ihnen bestand kein statistisch signifikanter Unterschied 38.

Carboxytherapie

Bei der Carboxytherapie wird Kohlendioxid direkt unter die Dehnungsstreifen in eine Tiefe von 5–6 mm injiziert, je nach Alter der Streifen einmal wöchentlich über 3–12 Sitzungen. Das Verfahren regt die Durchblutung an und erhöht die Sauerstoffabgabe aus Oxyhämoglobin. Durch Stimulation der Fibroblasten aktiviert es außerdem die Synthese von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure 39.

Eine Studie zeigte eine Zunahme der Hautelastizität, eine Verkleinerung der Dehnungsstreifen und eine Verbesserung ihres ästhetischen Erscheinungsbilds 40.

Die Carboxytherapie kann mäßige Schmerzen oder Beschwerden sowie Blutergüsse verursachen.

Weitere Behandlungen

Weitere Möglichkeiten sind Mikrodermabrasion, Needling beziehungsweise Microneedling, gepulste Magnetfelder und Ultraschallgeräte.

In einer prospektiven, randomisierten offenen Studie war die Mikrodermabrasion bei der Verringerung des Schweregrads frischer roter Dehnungsstreifen ebenso wirksam wie die tägliche Anwendung von 0,05%igem topischem Tretinoin 25.

In einer weiteren Studie war die Kombination aus Mikrodermabrasion und plättchenreichem Plasma (PRP) wirksamer als jede der beiden Behandlungen allein 41.

Microneedling verbesserte in einer Pilotstudie bei koreanischen Frauen sowohl frische als auch ältere Dehnungsstreifen 42. Das Ergebnis wurde in einer Studie aus Südafrika und Deutschland bestätigt 29. Microneedling erwies sich außerdem als wirksamer als Mikrodermabrasion mit Phonophorese 43.

Vorbeugung

Zahlreiche frei verkäufliche Kosmetika werden während der Schwangerschaft zur Vorbeugung von striae distensae oder zur Verringerung ihres Schweregrads angeboten und angewendet. Sie sind mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden, während ihr tatsächlicher Nutzen weiterhin sehr unsicher ist 17.

Die Vorbeugung von Dehnungsstreifen mit topischen Salben und Ölen bleibt daher umstritten 44.

Korgavkar und Wang kamen in einer kritischen Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass begrenzte Hinweise für Centella asiatica und möglicherweise für eine Massage mit Mandelöl vorliegen 26.

Andere Autoren gelangten zu dem Ergebnis, dass topische Behandlungen Dehnungsstreifen nicht verhindern 2, 45, 46.

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